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  Marianne Cohn (1922 - 1944)


Marianne Cohn kam 1922 zur Welt und wohnte mit den Eltern und ihrer Schwester in der Mariendorfer Chaussseestraße 35 (heute: Mariendorfer Damm 76). Nach dem Besuch der Volksschule ging sie vom Oktober 1932 bis zur Auswanderung ihrer Familie in das Mariendorfer Gymnasium in der Ringstraße 104-106. (Heute ist in dem Gebäude die Dag-Hammarskjöld-Oberschule untergebracht.) Sie verließ diese Schule wegen der „Verlegung des elterlichen Wohnsitzes nach dem Auslande“, wie es in ihrem Abgangszeugnis vom März 1934 hieß.

Die Familie Cohn emigrierte über Spanien nach Frankreich. Um den Juden-Razzien der Nazis nach der Besetzung Frankreichs zu entgehen, mussten die Cohns unter falschem Namen leben. Mit ihren kleinen Einkünften sorgte Marianne Cohn für den Unterhalt ihrer Angehörigen.
Marianne Cohn (1922-1944)     
 
Seit März 1943 war sie als Kinderfürsorgerin bei der zionistischen Jugendorganisation „Mouvement des Jeunesse Sionistes“ tätig. Sie gehörte einer jüdischen Widerstandsbewegung an, die in Zusammenarbeit mit der zionistischen Jugendbewegung sowie einer jüdischen Pfadfinderorganisation „Service Social des Jeunesses“ jüdischen Kindern half, aus dem Machtbereich der Deutschen zu entkommen. Von der Deportation bedrohte jüdische Kinder wurden in Sammeltransporten über die französisch-schweizerische Grenze gebracht.

Am 30. Mai 1944 wurde Marianne Cohn bei einem dieser Transporte von der Geheimen Staatspolizei verhaftet und zusammen mit den Kindern inhaftiert. Sie lehnte einen Plan, sich selbst zu befreien ab, weil sie die ihr anvertrauten Kinder und Jugendlichen durch ihre Flucht nicht in Gefahr bringen wollte. Sie teilte dem Initiator der geplanten Rettungsaktion in einem aus dem Gefängnis geschmuggeltem Kassiber mit: “Für mich allein, nichts leichter als das. Aber so lang die Kinder da sind, unmöglich. (…) Du weißt, ich habe viel Zeit, nachzudenken, aber ich bereue nichts von dem, was geschehen ist, und ich würde nicht eine Sekunde zögern, wenn alles noch einmal von vorn begänne.“

Die Umstände ihres Todes sind bis heute ungeklärt. Fest steht nur, dass sie am 8. Juli 1944 von der Gestapo erschossen wurde. Die verstümmelte Leiche wurde am Ortsausgang von Annemasse vergraben und erst zehn Tage nach der Befreiung Frankreichs gefunden.

Nachzutragen ist, dass Marianne Cohn für ihre Widerstandstätigkeit am 7. November 1945 posthum mit dem französischen Kriegskreuz mit silbernem Stern geehrt wurde. Weiterhin ist in Annemasse eine Schule und in Ville-la-Grand eine Straße nach ihr benannt. Ein Denkmal befindet sich ebenfalls dort. In der israelischen Gedänkstätte Yad Vashem ist Marianne Cohn ein Garten gewidmet.

(aus: „Geht die Arbeit weiter?“- Sozialarbeiterin in der Résistance, Marianne Cohn (1922-1944)“ von Dr. Kurt Schilde, 2006 )

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